Mittwoch, 22. Dezember 2010

Was ist sozial am Web 2.0?

Das Internet befindet sich in einem Prozess der Umgestaltung, in dem es weniger als reines Informations- bzw. Abrufmedium verstanden wird, d.h. in dem Inhalte ("Informationen") überwiegend von Massenmedien und professionellen Akteuren bereitgestellt werden (Organisationen, Institutionen, Autoritäten etc.), sondern in dem die Nutzer, die „digital natives“ (Prensky 2001), dazu übergehen, sich selbst aktiv zu beteiligen, indem sie eigene, selbstverfasste und -gestaltete Informationen (Texte, Bilder, Musik) in Foto- und Video-Sharing-Portale, in kollaborative belletristische oder (populär)wissenschaftliche Mitschreibeprojekte, in Kommentarfunktionen des Feuilletons oder in eigene Blogs einstellen. Damit bauen sie, die Nutzer selbst, das Netz immer weiter aus und lassen es zu einer collective intelligence wachsen.

Als Sammelbegriff für Internetanwendungen mit interaktiven, sozialen Komponenten bezeichnet der Begriff Web 2.0 – in Abgrenzung zum herkömmlichen Web 1.0 – die neue technologische Qualität sowie die neue gesellschaftliche Relevanz des Internets und seiner Nutzung. In diesem virtuellen Raum entstehen soziale Vernetzungen, die dazu geführt haben, auch von einem Social Web (auch Social Network) zu sprechen. Dieses Social Web konstituiert einen engeren Bereich des Web 2.0, in dem es nunmehr um die Etablierung neuer sozialer Strukturen und Interaktionsformen geht.

Der Begriff steht für neue Formen sozialen Handelns in folgenden Dimensionen:
  • beim Informationsaustausch (Publikation, Distribution und Zugriff auf Wissen) - siehe youtube
  • bei der Selbstdarstellung und Beziehungsmanagements (Aufbau und Pflege realweltlicher wie virtueller Kontakte und Identitäten) - siehe facebook
  • bei der interpersonalen computervermittelten Kommunikation - siehe twitter
  • bei der zielgerichteten Kooperation (Arbeitsteilung) und Kollaboration (Zusammenarbeit) (gemeinsame Erstellung von Wissensartefakten, Nutzung für Social Media Marketing) - siehe Wikipedia
Wissensproduktion und Kommunikation, Information und Transaktion finden in zunehmendem Maße im Internet statt; mehr als 70 Prozent der Deutschen sind heute online. Jeder ist User, ist zugleich Konsument wie Produzent. Man spricht von Produsage und vom Prosumenten. Man spricht vom kollaborativ wie kooperativ erstellten User Generated Content, der jenseits tradierter Institutionen, Medienlieferanten, Redaktionen oder Verlagen entsteht und frei zugänglich gemacht wird. Und bei der digitalen Literatur spricht man vom Wreader.

Nach der Popularisierung und „Vergesellschaftung“ der künstlerischen und verlegerischen Produktionsmittel (erst die Digitalkamera, dann der Digitalcomputer, der Drucker bzw. der Internet) kann heute jeder technisch versierte bzw. literate Mensch zum Urheber seines Kunstwerkes, zum Autor und gleichzeitig Verleger seines eigenen (belletristischen) Werkes werden.

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