Sonntag, 21. November 2010

5.000 - 500 - 50

Mit Blick auf 5.000 Jahre Schriftkultur und 500 Jahre Buchkultur, die dem Menschen eine lineare, an die Alphabetschrift gebundene Kommunikation gebracht hat, ist McLuhans Diktum von der "Askese der Schrift" nur zu verständlich. Das Bedürfnis nach neuen Kommunikationstechniken, die die menschlichen Sinne aus der Mononsensualität wieder herausführen und Kommunikation mit allen Sinne (wieder) möglich machen, hat in den letzten beiden Jahrhunderten - und nicht zuletzt in den letzten 50 Jahren - zu einer Reihe von Medienrevolutionen geführt, die neben die (standardisierte) Schrift auch wieder das Bild (still und bewegt) und den Ton in die Kommuikationssituation zurückbrachten.

1. Revolution: vom Stein zum Papyrus, also vom Zeichen-Code zum alphabetischen Code
2. Revolution: von der Druckerpresse zur Druckmaschine, d.h. Mechanisierung des Buchdrucks und anderer Bereiche des Alltagslebens (Uhr, Rechenmaschinen, Puppen, Webstühle)
3. Revolution: Erfindung neuer bildgebender Verfahren (Fotographie)
4. Revolution: Entdeckung der Elektrizität - Anwendung auf Kommunikationsmedien
5. Revolution: Elektromagnetismus - Anwendung auf Kommunikationsmedien
6. Revolution: Erfindung des Computers und der Digitalisierung

Die technischen Erfindungen bilden folgende Chronologie:
  • Druckerpresse  Typographie (typographischer Code)
  • Druckmaschine  (mechanische Reproduktion)
  • Fotographie (Bildverfahren)  1826 Heliographie (Asphalt) … 1835 Daguerrotypie (Silber/Kupferplatten) … 1883 erstmals im Zeitungsdruck angewendet
  • Telegraphie  1833 (elektromagnetische Übertragung von Alphabetschrift mittels neuer Codierung, Elektrizität und Kabel) (ab 1909 per Funkwellen)
  • Cinematograph/Cinetograph  1872 (Eadweard Muybridges) … 1888 (Louis Le Prince) … 1895 (Skladanowski)
  • Phonograph  1877 (Schall-, Klang-, Sprachschreiber)
  • Telefon (elektromagnetische Übertragung von Schall mittels neuer Codierung) 1863 (Phillip Reis) …1876 (A. Graham Bell)
  • Schreibmaschine  1808 (Pellegrino Turri) … 1821 (Karl Drais) … 1882 (Remington)
  • Turing-Maschine  1936
  • Rundfunk  1895/96  (Nikola Tesla, Alexander Popov) … 1906 (erste Radiosendung)
  • Fernseher  1987 (Braun) … 1906 (Max Diekmann) … 1928 (erste Fernsehübertragung)
  • Computer  1938 (Konrad Zuse) … 1980 (Digitalisierung)
In der Literatur sind solche Visionen in verschiedenen „Sprachbildern“ erhalten: in barocken Wortmaschinen (17. Jhd.), in den mechanischen Puppen, die auch in der Literatur der Romantik (E.T.A.Hoffmann) auftauchen, in den Texten über die Schreibmaschine eines Kurt Tucholsky u.a.), in einer sich in die Haut des Menschen einschreibenden Maschine in Franz Kafkas „Strafkolonie“ (1914), in William S. Bourroughs‘ Phantasien in „Naked  Lunch“ (1959).

Noch einmal ein Blick zurück in die Frühzeit der Mediengeschichte: Beim Übergang von der Handschrift (Rolle) zum Buch (Codex) gab es für die schreibenden Mönche einige medientechnische Herausforderungen zu bestehen.



Die Geschichte des Buchdrucks wird einige Jahrhunderte später durch die Mechanisierung revolutioniert; auch wenn das folgende Dokument aus der Frühzeit des Buchdrucks historisch wirkt... Printing a Book before DTP

Und auch in der Popkultur wird über die Schreibmaschine nachgedacht... Simpsons und die Schreibmaschine

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen