Autor…Dichter…Literat…Poet…Roamncier...Schreiber (und Aufschreiber)…Schreiberling (als belächelte Form)…Schriftsteller (der freie insbesondere)…Skribent…Texter...Verfasser
In den verschiedenen Perspektiven (juristisch, kommunikationstheoretisch, literaturwissenschaftlich, soziologisch) gibt es eine Vielzahl von Begriffen für die Person, die Texte „zu Papier“ bringt. Es sind dies Begriffe, die ähnliche und doch je unterschiedliche Konzepte von Autorschaft bezeichnen. Darüber hinaus gilt es, literaturtheoretisch zu unterscheiden zwischen historischem Autor…implizitem Autor…abstraktem Autor…und letztlich dem Erzähler, der aber bekanntermaßen nichts mit dem Autor zu tun hat.
Etymologisch haben diese Konzepte der Autorschaft zu tun mit auctor [lat.], dem „Urheber“ oder „Schöpfer“ eines Textes (mit literarischer Qualität). Dieses Konzept jedoch ist relativ jung; es begann sich erst im 18. Jahrhundert im Kontext eines Diskurses über den autonomen, schöpferischen, über sein Werk herrschenden (belletristischen) Autor durchzusetzen.
| Pierre Lacour Allégorie de la Liberté des Cultes |
Die Vermittlung des göttlichen Dichterstoffes geschah, so die lange vorherrschende Vorstellung, mit Hilfe des von den Musen eingegebenen Enthusiasmus. „Denn alle guten Ependichter singen nicht aufgrund eines Fachwissens [techne], sondern in göttlicher Begeisterung und Ergriffenheit alle diese schönen Dichtungen, und die Liederdichter, die guten, ebenso“. Die dichterische Produktion war keine Sache des Wissens, sondern der göttlich inspirierten Begeisterung. Sokrates vergleicht im „Ion“ die Übertragung der poetischen Begeisterung von der Muse über den Autor, den Rhapsoden und Schauspieler bis hin zum Hörer mit einem magnetischen Stein, der Eisenringe anzieht und so magnetisiert, dass diese ihrerseits andere Ringe anziehen und so eine Kette aneinandergehefteter Ringe bilden. Dieser Vergleich beanspruchte die Gültigkeit des Inspirationsmodells nicht nur für die Produktion, sondern ebenso auch für die Vermittlung und das Verstehen poetischer Texte. Hier war der Autor kein privilegierter Interpret seines eigenen Textes. Und deshalb spielte für das angemessene Verstehen des Textes seine individuelle Intention keine Rolle.
Für die weitere Diskussion im Seminar bitten die Referenten, darum dass Positionen und Argumente zu folgenden drei Thesen erarbeitet werden:
1 Das Wissen über den Autor ist eine wichtige Voraussetzung für jede Textinterpretation.
2 Mit der Veröffentlichung eines Textes verliert der Autor sein besonderes Verhältnis zum Text. Der Text wird Besitz aller.
2 Mit der Veröffentlichung eines Textes verliert der Autor sein besonderes Verhältnis zum Text. Der Text wird Besitz aller.
3 Die Aussage eines Textes entsteht erst durch den Lesevorgang und variiert, da jeder Leser mit individueller Betrachtungsweise und anderem Hintergrund an den Text herangeht.