Literatur ist Kommunikation, ist eine in formaler Hinsicht besondere Form von Kommunikation. Sie ist eine formalsprachlich geformte, überformte, verdichtete und also linguistisch beschreibbare Form der Kommunikation. Was aber ist die Funktion von Literatur im gesellschaftlichen Gefüge? Was ist ihre überindividuelle, ihre soziale Funktion im historischen Kontext?
Sie ist - um es bildlich, also fast schon literarisch zu sagen - Seismograph. Das heißt, sie ist ein Medium für eine vom Individuum ausgehende Aufzeichnung von Wahrnehmungen sozialer, kultureller, technologischer und letztlich auch medialer Veränderungen, also Erschütterungen, Konflikte, Widersprüche, Umbrüche, Katastrophen und Revolutionen jeder Art. Wird sie kanonisiert, so werden ihre Inhalte im kollektiven bzw. kulturellen Gedächtnis archiviert. Sie ist aber auch ein Medium für die zeitnahe Kommentierung eben solcher Vorgänge. Damit wird sie zu einem - ja zu dem - gesellschaftlichen Forum, in dem die Normen und Werte, die moralischen und ethischen Prinzipien einer Gemeinschaft ausgehandelt werden. Und sie kann ein Medium für Unterhaltung und Eskapismus sein; beides muss einander nicht bedingen, kann es gleichwohl. Letztlich kann sie Katalysator oben genannter Veränderungen sein. Man denke an religiöse, an reformatorische, an aufklärerische und letztlich an politische Kampfschriften, an Manifeste aller Art (vom kommunistischen über das futuristische bis zum konsumistischen).
Das also ist es, was die Literatur in der Gutenbergschen Buchform bisher geleistet hat bzw. was kanonische Autoren wie Büchner, Kleist, Heine, Kafka, Musil, Brecht, Bernhard oder Schätzing geleistet haben. (Diese Auswahl kann freilich nicht repräsentativ für die unermessliche Vielfalt der Literatur sein.)
Was aber verändert sich jetzt, da die Literatur den Buchkörper verlässt? Das Buch in seiner traditionellen Fasson hat die Inhalte und die Art und Weise seiner Rezeption diszipliniert. Denn das Buch ist linear und hierarchisch strukturiert, es enthält einen statischen Inhalt; es entsteht in einem stillen, privaten, singulären Prozess und wird ebenso still und privat rezipiert. Der (in der Regel eine) Autor führt seinen Leser quasi autoritär durch den Textverlauf - und also durch den Inhalt, durch seine Welt, die unsere ist.
Was aber sind die neuen Eigenschaften, ja Qualitäten von digitaler Literatur im Hinblick auf Form, Inhalt und Funktion? Und was sind die medienunabhängigen Charakteristika von Literatur im Hinblick auf Form, Inhalt und Funktion sowie im Blick auf Produktion und Rezeption im Internet-Zeitalter, die mit den Charakteristika analoger Literatur übereinstimmen?
Kursbegleitender Blog für Studierende an der Universität Potsdam Wintersemester 2010-11
Freitag, 14. Januar 2011
Freitag, 7. Januar 2011
Wissenschaftskommunikation und Open Access
Historischer Rückblick auf die sich wandelnde Wissenschaftskultur
Medien sind nicht nur Orte, an denen Informationen und Wissen aufbewahrt werden oder die nur mehr als Kanäle des Wissenstransfers dienen, vielmehr sind sie Basis, auf dem der gesellschaftliche Wissensdiskurs stattfindet. Den Medien kommt damit ein wissenskulturelles Strukturierungspotential zu (Elsner 1994).
Das Medium determiniert, so Margreiter (2005), auf unverwechselbare Art und Weise, wie eine bestimmte Medialität unsere Wahrnehmung und deren Verarbeitung – nicht nur kognitive, sondern auch emotive und volitive – Verarbeitung in spezifische, unverwechselbare Bahnen lenkt.
Nicht zuletzt auf der Ebene des Individuums steuern Medien den Zugang des Einzelnen zur Welt. Indem sie bestimmte Sinneskanäle in besonderer Weise ansprechen, andere hingegen vernachlässigen oder gänzlich ausblenden, kommt es zu einer allein dem jeweiligen Medium und dessen dispositiver Struktur eigenen Fokussierung und damit einer Disziplinierung der Wahrnehmung (Pscheida 2010).
Gemeint ist hiermit der Fokus auf Schriftlichkeit, und genauer noch auf Buchkultur mit ihrem typographischen Code sowie ihre buchtechnischen Konventionen (Titelei, Paginierung, Kapitelstruktur, Fußnoten, Anmerkungen, Glossar, Literaturverzeichnis).
„Unsere mentalen Strategien und ein Teil unserer sozialen Verhaltensweisen sind durch Denkzwänge konditioniert, die informationsverarbeitende Medien unseren Gehirnen einpflanzen. Form, Inhalt und die Wiedergabe von Wissen werden gleichermaßen von Medien beeinflusst“ (de Kerckhove 2000).
Der Buchdruck hat also eine Ordnung des Wissens (Enzyklopädie als Ideal) hergestellt. Aber auch die Kommunikation dieses Wissen wurde in eine neue Ordnung gebracht: Akademien und Universitäten entstanden, später Schulen und Bibliotheken sowie entsprechende Buchformate und Standards. Das heißt, akademische Wissensstrukturen und Wissenschaft selbst wurden institutionalisiert – und damit diszipliniert.
Wesentlicher Bestandteil der neuen Wissenschaftskultur war neben dem wissenschaftlichen Ethos (Uneigennützigkeit, Objektivität, Wahrheit) das Streben nach wissenschaftlicher Reputation, die auf hierarchisiertes Expertenwissen, Karriere, sozialen Anschluss, Elitebewusstsein abhebt. Reputation ließ sich in erster Linie über individuelle Autorschaft bestätigen. Ab dem 17. Jahrhundert ist denn auch die Publikation, d.h. die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse, Kern des wissenschaftlichen Handelns.
Zäsur im 21. Jahrhundert – Die Wissens- bzw. Informationsgesellschaft und das Internet
Das Informationsverarbeitungssystem Buch ist der Komplexität unserer sozialen Systeme sowie unserer kognitiven wie emotionalen Verhaltensweisen und der sich daraus ableitenden Bedürfnisstrukturen nach Informationen, Wissen und Unterhaltung nicht mehr gewachsen. Gesucht wird heute, d.h. mit dem sukzessiven Abschied aus der Gutenberg-Galaxis, ein Medium simultanpräsenter Darstellung von Inhalten, Information und Wissen, also ein Medium, wie es der Hypertext verkörpere, so Bolz (1995).
Nach dem Prinzip der Knoten und Links sind hier, in der Welt der Hypertexte, alle Inhalte miteinander vernetzt und können frei, d.h. zeit- und ortsunabhängig abgerufen werden. Resultat dieser „freien“ Bewegung im Wissensraum auf der Basis hypertextueller Vernetzung ist nun das Hinzutreten aktiver Konstruktion (im Sinne von Navigation, Interaktion und Kollaboration) als neuer Komponente im Prozess der Rezeption.
Das Internet funktioniert, anders als alle bisherigen Massenmedien, nach dem Prinzip des „information-pull“, das heißt die Konsumenten/Rezipienten sind nicht länger darauf angewiesen, was ihnen Redaktionen, Verlage und Medienanstalten an Informationen zur Verfügung stellen ("information-push"), sondern sie besitzen in viel stärkerem Maße selbst direkten Zugang zu den verschiedenen Informationsquellen (auch wenn freilich selbst Google, Wikipedia und selbst Wikileaks nicht alle Informationen zur Verfügung stellen können oder wollen).
Im gleichen Maße steht es jedem Nutzer auch offen, selbst eigene Informationen über das Internet zu verbreiten. Zudem sind in digitaler/digitalisierter Form produzierte Inhalte bzw. Informationen über das Internet nicht nur leichter zu verbreiten und zu teilen, sie können auch schneller verändert, ausgebaut und neu kombiniert werden.
Mit Ausbreitung und gesamtgesellschaftlicher Nutzung des Internet hat sich eine kollaborativ und kooperativ organisierte, nicht-kommerzielle „Amateurkultur“ entwickelt, deren Akteure zum einen Inhalte quasi- oder semi-professionell verarbeiten bzw. zur Verfügung stellen, zum anderen aber auch das Entstehen einer Peer-to-peer-Kultur befördert haben.
Der Netzwerkcharakter des Internet hat es ermöglicht, dass eine funktionierende, zwar verteilte, aber dennoch koordinierte Gemeinschaft (bzw. vieler kleiner „Communities“) entstanden ist, die keine zentrale Autorität mehr benötigt. Die Effektivität sowie die Resultate ihres Handelns beruhen auf dem sich selbst regulierenden Zusammenspiel untereinander (zumeist professionell) verbundener und zugleich unabhängig agierender Individuen („kollektive Intelligenz“) (vgl. Leadbeater/Miller 2004).
Auflösung von Wissen und Wahrheit
Mit der Ablösung der Gutenberg-Galaxis durch ein neues digitales Paradigma verbindet sich auf erkenntnistheoretischer Ebene denn auch die Einsicht, dass das klassische Modell der autoritären bzw. institutionellen Produktion von Wissen weder der einzig mögliche noch der produktivste Weg ist. Diese Einsicht wird das Vertrauen in die Funktionalität hierarchischer Organisationsstrukturen fundamental erschüttern – wenn dies im Zuge des Postmoderne-Diskurses der zurückliegenden zwei Jahrzehnte nicht längst geschehen ist.
Unter dem Einfluss des Internet, d.h. unter dem Einfluss der kreativen Partizipation und Kollaboration der Nutzer des Web 2.0, werden Inhalte, Ideen und Wissen nicht länger im traditionellen, von der Vorstellungswelt der Industriegesellschaft geprägten Sinne „produziert“. Vielmehr werden unter den Bedingungen der digitalen Medien nun die Nutzer selbst – und nicht länger die Experten und Eliten – die Strukturierung und Zuordnung von Information und Wissen vornehmen. Die neue Struktur des Wissens ist folglich sowohl eine situative und dynamisch wandelbare, als auch eine sozial permanent neu ausgehandelte (siehe Wikipedia und alle anderen disziplinären Wikis).
Damit geht ein radikaler, wenn auch allmählicher Reputations- und Autoritätsverlust von Institutionen, von sogenannten Leitmedien, aber auch von individueller Autorschaft und traditionellen Publikationsformaten (insbesondere bei klassischen Zeitschriften und Buchformaten) einher, der sich in der postmodernen Absage an Metadiskurse im Sinne von Foucault vor drei Jahrzehnten bereits andeutete, nun aber – im „demokratischsten aller Medien“ – zur vollen Entfaltung kommt. Die Orientierung der Industrie, auch der verlegerischen und publizistischen Industrie, an sogenannten Nutzerbedarfen ist nur mehr ein verzweifeltes Rückzugsgefecht angesichts sich selbst organisierender und informierender Subjekte in einer auf das Individuum zurückgeworfenen postmodernen Informationsgesellschaft.
Die Alternative zum Wandel und Verfall der tradierten Wissenschaftskommunikation heißt Open Access. Im neuen Medium, dem Internet, entsteht seit knapp einem Jahrzehnt eine neue Form der Kommunikation wissenschaftlichen Wissens, die an die Seite - oder langfristig wohl sogar: an die Stelle - der Verlagskultur treten wird.
Die verschiedenen programmatischen Erklärungen zu Open Access finden sich selbstverständlich im digitalen Universum, so unter anderem in der Wikipedia.
In der Dropbox ist neben der Sekundärliteratur auch eine aktuelle Übersicht zu finden, die die Merkmale von Print- und OA-Veröffentlichungen, wie sie im Seminar erarbeitet worden sind, gegenüberstellt.
Medien sind nicht nur Orte, an denen Informationen und Wissen aufbewahrt werden oder die nur mehr als Kanäle des Wissenstransfers dienen, vielmehr sind sie Basis, auf dem der gesellschaftliche Wissensdiskurs stattfindet. Den Medien kommt damit ein wissenskulturelles Strukturierungspotential zu (Elsner 1994).
Das Medium determiniert, so Margreiter (2005), auf unverwechselbare Art und Weise, wie eine bestimmte Medialität unsere Wahrnehmung und deren Verarbeitung – nicht nur kognitive, sondern auch emotive und volitive – Verarbeitung in spezifische, unverwechselbare Bahnen lenkt.
Nicht zuletzt auf der Ebene des Individuums steuern Medien den Zugang des Einzelnen zur Welt. Indem sie bestimmte Sinneskanäle in besonderer Weise ansprechen, andere hingegen vernachlässigen oder gänzlich ausblenden, kommt es zu einer allein dem jeweiligen Medium und dessen dispositiver Struktur eigenen Fokussierung und damit einer Disziplinierung der Wahrnehmung (Pscheida 2010).
Gemeint ist hiermit der Fokus auf Schriftlichkeit, und genauer noch auf Buchkultur mit ihrem typographischen Code sowie ihre buchtechnischen Konventionen (Titelei, Paginierung, Kapitelstruktur, Fußnoten, Anmerkungen, Glossar, Literaturverzeichnis).
„Unsere mentalen Strategien und ein Teil unserer sozialen Verhaltensweisen sind durch Denkzwänge konditioniert, die informationsverarbeitende Medien unseren Gehirnen einpflanzen. Form, Inhalt und die Wiedergabe von Wissen werden gleichermaßen von Medien beeinflusst“ (de Kerckhove 2000).
Der Buchdruck hat also eine Ordnung des Wissens (Enzyklopädie als Ideal) hergestellt. Aber auch die Kommunikation dieses Wissen wurde in eine neue Ordnung gebracht: Akademien und Universitäten entstanden, später Schulen und Bibliotheken sowie entsprechende Buchformate und Standards. Das heißt, akademische Wissensstrukturen und Wissenschaft selbst wurden institutionalisiert – und damit diszipliniert.
Wesentlicher Bestandteil der neuen Wissenschaftskultur war neben dem wissenschaftlichen Ethos (Uneigennützigkeit, Objektivität, Wahrheit) das Streben nach wissenschaftlicher Reputation, die auf hierarchisiertes Expertenwissen, Karriere, sozialen Anschluss, Elitebewusstsein abhebt. Reputation ließ sich in erster Linie über individuelle Autorschaft bestätigen. Ab dem 17. Jahrhundert ist denn auch die Publikation, d.h. die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse, Kern des wissenschaftlichen Handelns.
Zäsur im 21. Jahrhundert – Die Wissens- bzw. Informationsgesellschaft und das Internet
Das Informationsverarbeitungssystem Buch ist der Komplexität unserer sozialen Systeme sowie unserer kognitiven wie emotionalen Verhaltensweisen und der sich daraus ableitenden Bedürfnisstrukturen nach Informationen, Wissen und Unterhaltung nicht mehr gewachsen. Gesucht wird heute, d.h. mit dem sukzessiven Abschied aus der Gutenberg-Galaxis, ein Medium simultanpräsenter Darstellung von Inhalten, Information und Wissen, also ein Medium, wie es der Hypertext verkörpere, so Bolz (1995).
Nach dem Prinzip der Knoten und Links sind hier, in der Welt der Hypertexte, alle Inhalte miteinander vernetzt und können frei, d.h. zeit- und ortsunabhängig abgerufen werden. Resultat dieser „freien“ Bewegung im Wissensraum auf der Basis hypertextueller Vernetzung ist nun das Hinzutreten aktiver Konstruktion (im Sinne von Navigation, Interaktion und Kollaboration) als neuer Komponente im Prozess der Rezeption.
Das Internet funktioniert, anders als alle bisherigen Massenmedien, nach dem Prinzip des „information-pull“, das heißt die Konsumenten/Rezipienten sind nicht länger darauf angewiesen, was ihnen Redaktionen, Verlage und Medienanstalten an Informationen zur Verfügung stellen ("information-push"), sondern sie besitzen in viel stärkerem Maße selbst direkten Zugang zu den verschiedenen Informationsquellen (auch wenn freilich selbst Google, Wikipedia und selbst Wikileaks nicht alle Informationen zur Verfügung stellen können oder wollen).
Im gleichen Maße steht es jedem Nutzer auch offen, selbst eigene Informationen über das Internet zu verbreiten. Zudem sind in digitaler/digitalisierter Form produzierte Inhalte bzw. Informationen über das Internet nicht nur leichter zu verbreiten und zu teilen, sie können auch schneller verändert, ausgebaut und neu kombiniert werden.
Mit Ausbreitung und gesamtgesellschaftlicher Nutzung des Internet hat sich eine kollaborativ und kooperativ organisierte, nicht-kommerzielle „Amateurkultur“ entwickelt, deren Akteure zum einen Inhalte quasi- oder semi-professionell verarbeiten bzw. zur Verfügung stellen, zum anderen aber auch das Entstehen einer Peer-to-peer-Kultur befördert haben.
Der Netzwerkcharakter des Internet hat es ermöglicht, dass eine funktionierende, zwar verteilte, aber dennoch koordinierte Gemeinschaft (bzw. vieler kleiner „Communities“) entstanden ist, die keine zentrale Autorität mehr benötigt. Die Effektivität sowie die Resultate ihres Handelns beruhen auf dem sich selbst regulierenden Zusammenspiel untereinander (zumeist professionell) verbundener und zugleich unabhängig agierender Individuen („kollektive Intelligenz“) (vgl. Leadbeater/Miller 2004).
Auflösung von Wissen und Wahrheit
Mit der Ablösung der Gutenberg-Galaxis durch ein neues digitales Paradigma verbindet sich auf erkenntnistheoretischer Ebene denn auch die Einsicht, dass das klassische Modell der autoritären bzw. institutionellen Produktion von Wissen weder der einzig mögliche noch der produktivste Weg ist. Diese Einsicht wird das Vertrauen in die Funktionalität hierarchischer Organisationsstrukturen fundamental erschüttern – wenn dies im Zuge des Postmoderne-Diskurses der zurückliegenden zwei Jahrzehnte nicht längst geschehen ist.
Unter dem Einfluss des Internet, d.h. unter dem Einfluss der kreativen Partizipation und Kollaboration der Nutzer des Web 2.0, werden Inhalte, Ideen und Wissen nicht länger im traditionellen, von der Vorstellungswelt der Industriegesellschaft geprägten Sinne „produziert“. Vielmehr werden unter den Bedingungen der digitalen Medien nun die Nutzer selbst – und nicht länger die Experten und Eliten – die Strukturierung und Zuordnung von Information und Wissen vornehmen. Die neue Struktur des Wissens ist folglich sowohl eine situative und dynamisch wandelbare, als auch eine sozial permanent neu ausgehandelte (siehe Wikipedia und alle anderen disziplinären Wikis).
Damit geht ein radikaler, wenn auch allmählicher Reputations- und Autoritätsverlust von Institutionen, von sogenannten Leitmedien, aber auch von individueller Autorschaft und traditionellen Publikationsformaten (insbesondere bei klassischen Zeitschriften und Buchformaten) einher, der sich in der postmodernen Absage an Metadiskurse im Sinne von Foucault vor drei Jahrzehnten bereits andeutete, nun aber – im „demokratischsten aller Medien“ – zur vollen Entfaltung kommt. Die Orientierung der Industrie, auch der verlegerischen und publizistischen Industrie, an sogenannten Nutzerbedarfen ist nur mehr ein verzweifeltes Rückzugsgefecht angesichts sich selbst organisierender und informierender Subjekte in einer auf das Individuum zurückgeworfenen postmodernen Informationsgesellschaft.
Die Alternative zum Wandel und Verfall der tradierten Wissenschaftskommunikation heißt Open Access. Im neuen Medium, dem Internet, entsteht seit knapp einem Jahrzehnt eine neue Form der Kommunikation wissenschaftlichen Wissens, die an die Seite - oder langfristig wohl sogar: an die Stelle - der Verlagskultur treten wird.
Die verschiedenen programmatischen Erklärungen zu Open Access finden sich selbstverständlich im digitalen Universum, so unter anderem in der Wikipedia.
In der Dropbox ist neben der Sekundärliteratur auch eine aktuelle Übersicht zu finden, die die Merkmale von Print- und OA-Veröffentlichungen, wie sie im Seminar erarbeitet worden sind, gegenüberstellt.
Montag, 3. Januar 2011
Digitales Leben an der Jahreswende 2011
Der Index Elektronisches Publizieren (EPIX) ist im dritten Quartal 2010 um 2,1 Prozentpunkte auf 113,5 Prozent gestiegen und hat damit den höchsten Wert seit dem ersten Halbjahr 2008 erreicht. Es wurde schlichtweg mehr verkauft: Hardware, Software und Content.
Auch der Elektronikgroßhändler Mediamarkt steigt in den Handel mit E-Books ein: Seit Dezember 2010 stehen rund 30.000 Buchtiteln zum Download bereit. Die Preise für ein E-Book beginnen bei 1,49 Euro.
Mit Google eBooks hat sich der Internetkonzern nicht nur endgültig als Händler etabliert, sondern setzt erstmals die Cloud-Technologie für den Vertrieb digitaler Bücher ein. Mit dem Cloud Computing werden Kauf, Verwaltung und Nutzung der Inhalte weiter virtualisiert: Es wird keine Datei mehr auf einen Rechner heruntergeladen (mit Ausnahme einer Sicherungskopie für Archivzwecke). Stattdessen werden die Daten, die auf Netzwerkrechnern von Google verteilt gespeichert werden, online in der „Wolke“ zum Buch zusammengesetzt und im Webbrowser mithilfe einer Reader-Software präsentiert. Das gekaufte E-Book wird im persönlichen E-Book-Regal abgelegt. Es kann auf jedem Bildschirm – unabhängig von einem bestimmten Endgerät – gelesen werden.
Amazon.de brach nach eigenen Angaben die bisherigen Verkaufsrekorde im Weihnachtsgeschäft mit einer Zuwachsrate von über 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unter anderem der neue Kindle 3 habe sich besser verkauft als das jüngste Harry-Potter-Buch.
Das erste Libroid-Buch ist im iTunes-Store verfügbar. Der Autor sieht sich selbst als „komplett verrückten Verleger, der sich in Einzelhandanfertigung eine neuartige Druckmaschine bauen lässt, um darauf ein Buch zu drucken“. Sein Angebot soll auch andere Autoren dazu animieren, „ungedruckte Bücher herstellen und vertreiben zu lassen“. Für ihn steht fest: Erfolgreiche Autoren werden E-Book-Rechte nicht mehr an traditionelle Verlage vergeben, die viel zu „verhalten und hilflos“ agierten. Das Leseverhalten verändere sich und somit auch Schreibweisen. „Wir fangen gerade erst an“, sagt er.
...mehr zum Libroid
Auch der Elektronikgroßhändler Mediamarkt steigt in den Handel mit E-Books ein: Seit Dezember 2010 stehen rund 30.000 Buchtiteln zum Download bereit. Die Preise für ein E-Book beginnen bei 1,49 Euro.
Mit Google eBooks hat sich der Internetkonzern nicht nur endgültig als Händler etabliert, sondern setzt erstmals die Cloud-Technologie für den Vertrieb digitaler Bücher ein. Mit dem Cloud Computing werden Kauf, Verwaltung und Nutzung der Inhalte weiter virtualisiert: Es wird keine Datei mehr auf einen Rechner heruntergeladen (mit Ausnahme einer Sicherungskopie für Archivzwecke). Stattdessen werden die Daten, die auf Netzwerkrechnern von Google verteilt gespeichert werden, online in der „Wolke“ zum Buch zusammengesetzt und im Webbrowser mithilfe einer Reader-Software präsentiert. Das gekaufte E-Book wird im persönlichen E-Book-Regal abgelegt. Es kann auf jedem Bildschirm – unabhängig von einem bestimmten Endgerät – gelesen werden.
Amazon.de brach nach eigenen Angaben die bisherigen Verkaufsrekorde im Weihnachtsgeschäft mit einer Zuwachsrate von über 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unter anderem der neue Kindle 3 habe sich besser verkauft als das jüngste Harry-Potter-Buch.
Das erste Libroid-Buch ist im iTunes-Store verfügbar. Der Autor sieht sich selbst als „komplett verrückten Verleger, der sich in Einzelhandanfertigung eine neuartige Druckmaschine bauen lässt, um darauf ein Buch zu drucken“. Sein Angebot soll auch andere Autoren dazu animieren, „ungedruckte Bücher herstellen und vertreiben zu lassen“. Für ihn steht fest: Erfolgreiche Autoren werden E-Book-Rechte nicht mehr an traditionelle Verlage vergeben, die viel zu „verhalten und hilflos“ agierten. Das Leseverhalten verändere sich und somit auch Schreibweisen. „Wir fangen gerade erst an“, sagt er.
...mehr zum Libroid
Abonnieren
Kommentare (Atom)